Lisa Kirkas "Vertrauenspfade" ~ So gelingt die Beziehung zu Ihrem Pferd

Die Zeit verändert Beziehungen, auch die zum eigenen Pferd. Pferde bemerken Veränderungen. Im Gegensatz zum Menschen verstehen sie diese jedoch nicht wie wir. Wer du bist und was du tust, beeinflusst das Verhalten deines Pferdes: In jedem Augenblick, in dem du bei ihm bist, macht es sich seinen Eindruck von dir und verhält sich dementsprechend.

Noch vor ein paar Jahren konnte ich keine Stallgasse betreten ohne in Panik auszubrechen: Mein Leben lang litt ich unter einer krankhaften Angst vor Pferden und mied die Tiere, wo ich nur konnte. 2013 jedoch, verliebte ich mich bei der APASSIONATA Hals über Kopf in einen ukrainischen Trickreiter, meinen heutigen Ehemann Viktor.
Ich entschied mich für die Liebe und gegen die Angst.

Fortan verbrachte ich täglich viele Stunden bei unseren Pferden. Ich beobachtete ihr Verhalten im Umgang mit Menschen und untereinander und begann, sie nach und nach kennenzulernen und zu verstehen. (Was hier in einem Zweizeiler beschrieben werden kann, kostete mich in Wahrheit fürchterliches Herzrasen bei jedem Gang auf die Koppel, viele, viele Angsttränen, wenn ein Pferd scheute, am Strick tänzelte, sich erschrak bzw. "unkontrollierbar" schien und pure Erschöpfung nach einem überstandenen Training.) Doch irgendetwas schien nicht richtig: In meiner Gegenwart waren die Pferde nervös, ängstlich und aufgeregt. All das, wovor ich mich selbst so fürchtete! Schlimmer noch: Als ich unseren Apollo das erste Mal frei laufen ließ, ignorierte mich nicht nur - er rannte vor mir davon! Ich musste erkennen, dass er nicht bei mir sein wollte...

Nach diesem erschreckenden Erlebnis mit unserem Apollo beschloss ich, dass es Zeit für eine grundlegende Veränderung war: Ich zwang mich fortan meine Körpersprache, mein Auftreten, mein Verhalten und meine Stimmlage bewusst wahrzunehmen und zu analysieren - und begann sie zielgerichtet einzusetzen. Zunächst gaukelte ich mich vor, keine Angst vor den scheinbar unberechenbaren Reaktionen unserer Pferde zu haben: Ich sprach sehr tief, sehr langsam und kam mir dabei sehr bescheuert vor. Nach einiger Zeit des Trainierens und sich Ausprobierens durfte ich schließlich feststellen, dass sich meine "Schauspielerei" nicht nur positiv auf mein Selbstbewusstsein auswirkte sondern, dass auch die Pferde um mich herum ruhiger und berechenbarer wurden.

Erkenntnis: Ruhige, selbstsichere Menschen machen ruhige, selbstsichere Pferde.

Nach diesem Erfolgserlebnis trainierte ich kontinuierlich jeden Tag weiter. Oftmals glich das Training weniger einer "Arbeit", sondern viel mehr einem spielerischen Herumtoben ohne Regeln und ohne Ziele, anderen Tages übte ich ausschließlich die leichtesten Kommandos am Führstrick - solange, bis ich mich sicherer fühlte, eine schwierigere Übung zu versuchen.

Erkenntnis: Alles zu seiner Zeit - Bringe dich und dein Pferd nicht in Situationen, die du dir nicht zu kontrollieren zutraust. 

Ich gestand mir zu, dass ich es nicht albern finden brauchte, scheinbar "leere" Zeit mit meinen Pferden verbringen zu wollen, an ihnen herumzuschnuppern, sie zu streicheln und manchmal auch einfach nur Dinge gemeinsam zu entdecken. Es war unser Spiel und ich, und niemand sonst, bestimmte die Spielregeln.

Erkenntnis: Die Wertschätzung und Authentizität, die du deinem Pferd entgegenbringst, bleibt nie ohne Lohn.

Gemeinsam mit unseren Pferden beschritt ich damit meine Vertrauenspfade. Von ihnen erzähle ich auf Seminaren und ehrenamtlichen Kursen, die ich für Kinder und Jugendliche, aber auch für "Angstreiter" (wie ich es einmal war) organsiere und halte.

Hier ein Ausschnitt aus unserem "Vertrauenspfade"-Training mit Fohlen Al Abadi:
https://www.youtube.com/watch?v=xDWHcm7lYlI&feature=youtu.be

https://www.youtube.com/watch?v=GksvYplNHZc

 

Ein interessantes Quiz samt Trainingstipps in der Auswertung:
http://www.testedich.de/quiz36/quiz/1429369063/Welcher-Reitertyp-bin-ich

 

© Fotos: Karen Massine/APASSIONATA